Johanna von Amrum - Willem Ruempler
Eine Amrumer Geschichte
Hinten JOHANNA von AMRUM verbergen sich nicht nur ein Schiff und die Insel Amrum, sondern dazwischen eingeflochten untrenbar miteinander verwobene Geschichten und Romanzen. Erzalhlt mit friesischer und holländischer Einfärbung, querab von Baatjes Stich, einem einsamen Norddorfer Dünental. Aufgeholt und verbändselt mit der zee, dem Eiland und den Vorfahren. Geprägt und aufgewachsen in einer heute kaum vorstellbaren großen Freyheit, einem kleinen friesischen Inseldorf in den Amrumer Dünen, an der Kniepkante, im Watt, am und im Wasser. Friesisch mit der Muttermilch aufgesogen. Als Sprache nicht nur für die wichtigen Dinge des Alltags, sondern auch als Schutz und Windfang vor den Madchen des Festlands des damals nazi-verwurzelten Deutschlands der Nachkriegszeit.
Weit draußen am Horizont zogen weiße Segel vorbei und weckten bei uns Inseljungs große Fantasien und Träume von einer Entdeckungsfahrt in die Welt achter de horizon.
Eine Reise mit Zwischenhäfen und später seefesten Schiffen von Norddorf nach Zeeland in der Scheldemündung, nach Schottland und Bornholm bis an den Himalaya und zurück nach Wittdün, dem Südpol der Insel Amrum.
Willem Ruempler
Für meine Familie, insbesondere für meine Freundin und Frau Leonore JOHANNA, von Beruf Plakatmalerin, die fast alle im Buch gezeigten Fliesen -tegeltjes- LRM gemalt hat. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten, so dass Segeltörns von Schottland bis Bornholm möglich waren und gleichzeitig an Land alles seinen gewohnten Gang gehen konnte. Und für alle meine Plattboden-Freunde, die JOHANNA seit mehr als 30 Jahre begleiten und mir geholfen haben, die Hoogaars fit zu halten. Leif Quedens hat mich schon vor einigen Jahrzehnten angeregt, diese Geschichte über JOHANNA und AMRUM aus vergangenen, öligen Zeiten weiter zu erzähilen. Über meinen Weg von klein auf an, von Norddorf nach Zeeland zu berichten, damit nicht einfach alles über Bord geht, meint er zumindest. Und insbesondere ist dieses Buch eine Anerkennung für meinen Jung Gerrit Ricklef, der mir hilft, JOHANNA zu varen - meint holländisch Schiff fahren - und das Schiff mit allen erdenklichen technischen Verbesserungen zu versorgen.
Mein Dank gilt insbesondere auch Manfred Schulz. Mit Manfred und Gerrit auf der JOHANNA hatten wir viele Geschichten ausgegraben und an Bord zu Drehbüchern verarbeitet, aus denen 17 viel beachtete Filme wie onder meer Land im Gezeitenstrom fair den NDR entstanden sind. Das brachte viele Fragen zu Plattbodenschiffen und zu JOHANNA's Heimat Amrum. Und so spielt das nordfriesische Eiland mit einem Teil seiner Geschichte und seinen Fahrwegen neben de boot eine wichtige Rolle in diesem Buch. Bedanken machte ich mich beim Amrumer Schulmeister Jens Jessen, bei Reinhard Jannen und Jantje Ruth für die Korrektur unser Friesischen Lautsprache in „ordentliche" Rechtschreibung, deren Aussprache von Dorf zu Dorf verschieden ist, sowie bei Jantje für seine Unterstützung und Anmerkungen und Korrekturen, sowie auch bei unserem Insel-Chronisten Georg Quedens fur seine Überarbeitungen der historischen Amrumer Geschichte(n) Mein Dank gilt auch den Siemens-Kernspin-Meistern Rolf und Antje, und vor allen Dingen auch Thake Hansen-Lauff für ihre Struktur- und Formulierungsvorschläge memer kruden Sprache. Jan Eissens Stamboekbeheerder Stichting Stamboek Ronde en Platbodemjachten hat für erven ordentlichen holländischen Text gesorgt In der Hoffnung meine Geschichte euch lesbar näher zu bringen, haben mir Achim Staugaard, Peter Kass als Gestalter, sowie Leif Quedens als Amrumer Hand, viele Mühen abgenommen, dieses Buch in diese Form zu bringen.
Die im Text kursziv und fett gedruckten Wörter sind absichtlich so gesetzt. Sie stammen aus meiner Welt, die der Friesen und der Holländer, und sind im Onginal notiert. Auf Friesisch häufig vieldeutiger, deswegen meist nicht durch em einzelnes Wort verständlich zu machen. Ich habe versucht, so gut es geht, sie ins Deutsche zu ubertragen.
Wittdün auf Amrum, 2025
Warum gerade eine Hoogaars?
Die verschiedenen Plattbodentypen wurden über viele Jahrhunderte so gut wie ausschliel3lich in Holland als Arbeitsschiffe entworfen und in hunderten kleinen Werften gebaut: Fischer, Transporter, Schnellsegler für verderbliche Waren, vielfältige Arbeitsfahrzeuge für untiefe flache Gewässer. Sie wurden von einer Schiffbauergeneration zur nächsten immer weiterentwickelt bzw. verbessert. Eine der wichtigsten Anforderungen an diese Schiffe war gemakkelijk te bevaren. Das meint, mit möglichst wenig Kraftaufwand und möglichst kleiner Mannschaft zurechtzukommen und zu fahren.
So findet man in der Zuiderzee und Friesland voluminöse geräumige Transporter und Fischer wie Tjalken, Bollen und Lemsteraken, größtenteils mit dickbauchigem Vorschiff.
In Zeeland, im rauhen Gewässer der Scheldemündung mit Nordwest Ausrichtung, das deltamäßig mit vielen Armen zur Nordsee offen ist, entstanden schon vor 400 Jahren ganz andersartige mehr seefeste Segel-Fahrzeuge, vor allem Hoogaars und Hengst vornehmlich als Muschel-Fischer mit weit überhängenden „spitzen“ Vorschiffen. Wegen ihren guten, revierangepassten Segeleigenschaften wurden sie schon im 18. Jahrhundert auch als sogenannte Pläsier-Fahrzeuge mit einer Kajüte versehen. Sie hatten eine Wasserlinienlänge von bis zu 15 m, so wie hier 200 Jahre später JOHANNA mit einer Wasserlinie von 8,50 m. vermessen war.
In der Meerman-Werft in Arnemuiden/Zeeland wurden bereits ab 1763 hunderte von holzernen Hoogaarzen gebaut Heute ist die Museumswerft immer noch in Gang als sehr gut unterhaltener Arbeitshafen 2022 hat JOHANNA hier 6 Wochen liegen dürfen. Hier lernte ich viel über alte Schiffsbaukunst, mit historischen Werkzeugen und Holzbautechniken. Diese holzernen Muschelfischer hatten hier in der Scheldemündung in diesem rauen, sehr anspruchsvollen Revier nur kürze Lebenszeiten.
Das Seegebiet der Schelde ähnelt dem der Außenelbe. Wellenhöhen von 2-3 m, wenn Westwind gegen Elbstrom steht, sind normale Bedingungen auf der Schelde, wie vor Brunsbüttel auf der Elbe. Die Arbeitsschiffe mussten gute Kreuzeigenschaften (Segeln gegen den Wind) haben. Die Verlustrate der hölzernen Schiffe war in dem rauhen Gewässer hoch. Stahl wurde erst im letzten Jahrhundert eingesetzt. Die wenigen übrig gebliebenen bis zu hundert Jahre alten hölzernen ehemaligen Muschelfischer werden gut gepflegt und noch tüchtig gesegelt. Auf den Regatten der alten Fischereifahrzeuge ging es so heftig zu, dass sie sich mit ihren lanzenartigen Klüverbäumen duellierten - diese legendären Regatten -Van Loon Hardzeildagen- werden heute noch jeweils am 3. Sonnabend im Juli in Veere an der Oosterschelde allerdings etwas zivilisierter gefahren.
Verkrijgbaar bij Jens Quedens Verlag Amrum
https://quedens.de/buecher/amrum/773/johanna-von-amrum-willem-ruempler
ISBN 978-3-943307-30-6